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Vor fünfzehn Jahren wurde Democracy International offiziell als Verein gegründet. Doch die Idee dahinter ist älter als die Organisation selbst: die Überzeugung, dass Demokratie nicht an Grenzen, Institutionen oder eingespielten Routinen enden darf. Demokratie muss lebendig, partizipativ und erneuerungsfähig bleiben.
Seit der Gründung verfolgt Democracy International drei miteinander verbundene Ziele:
Unser erstes Ziel ist, voneinander zu lernen. Demokratische Beteiligung kann nur wachsen, wenn auch Wissen darüber wächst. Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt haben sehr unterschiedliche Formen direkter und partizipativer Demokratie entwickelt – von Referenden und Bürgerinitiativen bis hin zu Bürgerversammlungen und partizipativen Haushalten. Allzu oft blieben diese Erfahrungen jedoch auf nationale Debatten beschränkt. Democracy International hat sich zum Ziel gesetzt, sie miteinander zu verbinden. Durch Konferenzen, Forschung, Kampagnen und insbesondere den Direct Democracy Navigator haben wir Räume geschaffen, in denen zivilgesellschaftliche Organisationen, Forschende und Aktivistinnen und Aktivisten sich austauschen und die weltweite Entwicklung demokratischer Beteiligung besser verstehen können.
Unser zweites Ziel ist grenzüberschreitende Solidarität. Demokratischer Stillstand entsteht selten aus einem Mangel an Ideen. Häufiger sind festgefahrene Strukturen, institutionelle Trägheit und die stille Kraft des Status quo die Ursache. Bürgerinnen und Bürger sowie zivilgesellschaftliche Bewegungen stehen in vielen Ländern vor ähnlichen Herausforderungen, wenn sie mehr Beteiligung und Transparenz erreichen wollen. Democracy International ist ein Ort, an dem diese Erfahrungen und Herausforderungen geteilt werden, an dem Menschen über Grenzen hinweg voneinander lernen und demokratische Reformkräfte sich gegenseitig mit Wissen, Mut und internationaler Sichtbarkeit unterstützen.
Unser drittes Ziel ist vielleicht das ambitionierteste: Demokratie über den Nationalstaat hinaus weiterzuentwickeln. In einer zunehmend vernetzten Welt überschreiten politische Entscheidungen immer häufiger nationale Grenzen – demokratische Beteiligung hingegen oft nicht. Deshalb setzt sich Democracy International nicht nur für eine stärkere Demokratie innerhalb von Staaten ein, sondern auch für transnationale Demokratie, insbesondere in Europa. Die Europäische Bürgerinitiative war ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Die größere Vision ist jedoch noch nicht verwirklicht: Demokratische Beteiligung muss sich überall dort weiterentwickeln, wo politische Macht ausgeübt wird – auch auf europäischer und letztlich auf globaler Ebene.
In diesen fünfzehn Jahren hat sich vieles verändert. Demokratie steht weltweit unter wachsendem Druck. Polarisierung, autoritäre Tendenzen, Desinformation und geopolitische Instabilität stellen demokratische Gesellschaften überall vor große Herausforderungen.
Und dennoch bleibt die zentrale Erkenntnis, die Democracy International inspiriert hat, unverändert: Demokratie lässt sich nicht auf regelmäßige Wahlen reduzieren. Sie lebt davon, dass Bürgerinnen und Bürger teilnehmen, miteinander reden, über Grenzen hinweg zusammenarbeiten und die politischen Systeme mitgestalten, die ihr Leben prägen.
Demokratie ist niemals abgeschlossen. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Menschheit – eines, das jede Generation neu entdecken, verteidigen und weiterentwickeln muss.
Diese Aufgabe ist heute genauso dringend wie vor fünfzehn Jahren. |