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Youth Bridges Europe event

Nicht nur zuhören, sondern entscheiden: Jugendliche bei einem Workshop der Bürgerversammlung bei „Youth Bridges Europe“

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Vielleicht fragen Sie sich, wie ein Thema wie Bürgerversammlungen – das leicht als technisch oder politisch empfunden werden kann – für junge Menschen tatsächlich interessant werden kann.

So haben wir es in Vallendar gemacht.

Bei „Youth Bridges Europe“ in Deutschland nahm ich zusammen mit 60 Jugendlichen aus Frankreich, Deutschland und Bosnien-Herzegowina an einem Workshop teil, der direkte, partizipative Demokratie von einem Thema, von dem wir normalerweise nur hören, zu einer Erfahrung machte, die wir aktiv miterlebten. Anstatt nur über Partizipation zu reden, wurden wir mitten hineinversetzt.

Im Mittelpunkt der Sitzung standen Bürgerversammlungen, doch sie begann nicht mit Definitionen oder theoretischen Überlegungen. Sie begann mit einer Geschichte. Um uns inspirieren zu lassen und unserer Diskussion eine Grundlage zu geben, befassten wir uns zunächst mit der Geschichte der Bürgerversammlung von Bujaru in Brasilien , die erste Klimabürgerversammlung des Landes, sowie die Arbeit von „Delibera Brasil“, einer Organisation, die sich für die Stärkung der Demokratie durch deliberative Prozesse einsetzt. An diesem Beispiel wurde verdeutlicht, wie die Teilnehmer ausgewählt wurden und wie der Prozess sorgfältig an den lokalen Kontext und die Bedürfnisse der Beteiligten angepasst werden musste.

Wichtig ist, dass dabei auch die Herausforderungen deutlich wurden: Fragen der Barrierefreiheit traten besonders deutlich zutage, insbesondere die Notwendigkeit, dass die Organisatoren praktische Unterstützung – wie beispielsweise Transportmöglichkeiten – bereitstellen, um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden uneingeschränkt an den Diskussionen teilnehmen konnten. Insgesamt bot dieses Beispiel aus der Praxis einen wertvollen Rahmen für das Verständnis von Bürgerversammlungen und beleuchtete nicht nur deren Potenzial, sondern auch die praktischen Überlegungen, die erforderlich sind, um sie inklusiv und sinnvoll zu gestalten.

Von dort aus Thomas Leszke von Zukunftsrad Köln führte uns in die Tiefen der Demokratie ein. Wir begannen mit dem, was die meisten von uns bereits kennen – der repräsentativen Demokratie – und wandten uns dann einem weniger vertrauten Thema zu: der deliberativen Demokratie. Zunächst klang das komplex, doch durch die Diskussion wurde es klarer. Es geht nicht darum, dass jeder ständig über alles entscheidet, sondern darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen gemeinsam nachdenken, gemeinsam lernen und gemeinsam entscheiden können.

Was diese Veranstaltung so eindrucksvoll machte, war ihr praktischer Charakter. Bürgerversammlungen wurden nicht als abstrakte Instrumente der Demokratie dargestellt, sondern als Räume, in denen die Menschen am Prozess teilhaben, aufmerksam zuhören und schwierige Themen gemeinsam angehen. Selbst die Frage nach Fachwissen wurde neu beleuchtet. Von den Teilnehmenden wird nicht erwartet, dass sie als Expert*innen antreten; stattdessen lernen sie im Laufe des Prozesses dazu, unterstützt durch Beiträge von Fachleuten, die informieren, anstatt zu entscheiden.

Was mir besonders aufgefallen ist, war die Spannung, über die wir gesprochen haben: Partizipation ist wirkungsvoll, aber wer legt die Tagesordnung fest? Und was passiert, nachdem die Bürger Vorschläge unterbreitet haben? An dieser Stelle gewann der Gedanke der Rechenschaftspflicht an Bedeutung. Ohne sie kann Partizipation leicht ihre Bedeutung verlieren.   Thomas erklärte, dass Themen oft von öffentlichen Institutionen vorgeschlagen werden, was jedoch Herausforderungen mit sich bringen kann: „ Manchmal nutzen Politiker Bürgerversammlungen zu PR-Zwecken. Da dies jedoch mit viel Aufwand verbunden ist, erwarten sie, wenn sie die Initiative ergreifen, oft eine Gegenleistung. „Die Teilnehmer setzten sich mit den Risiken politischer Manipulation auseinander, darunter auch mit Situationen, in denen Behörden Initiativen zunächst unterstützen, ihr Engagement später jedoch zurückziehen. Eine wichtige Erkenntnis war, wie wichtig es ist, öffentliche Zusagen von Entscheidungsträgern einzuholen, um die Rechenschaftspflicht zu gewährleisten.“

Anschließend gingen wir zur Gruppenarbeit über, bei der wir uns Bürgerversammlungen in unseren eigenen Gemeinden vorstellten. Da wurde das Thema für uns noch greifbarer. Wir diskutierten Themen wie bezahlbaren Wohnraum, nachhaltige Mobilität und Klimaresilienz – Dinge, die den Alltag unmittelbar betreffen. Es wurde deutlich, dass die besten Themen nicht die einfachen sind, sondern jene, die komplex, dringlich und von gemeinsamer Bedeutung sind.

Am Ende der Sitzung erschienen Bürgerversammlungen nicht mehr als ein fernes demokratisches Instrument. Sie wirkten greifbar, als etwas, das tatsächlich in unserem eigenen Umfeld existieren könnte.

Und was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist Folgendes: Bei der Demokratie geht es nicht nur um Systeme oder Institutionen. Es geht darum, dass Menschen zusammenkommen, einander zuhören, unterschiedlicher Meinung sind und gemeinsam versuchen, Lösungen zu finden.

In Vallendar war Demokratie nicht nur ein Thema, über das wir etwas lernten. Wir konnten sie uns als etwas Praktisches und in unserem eigenen Kontext Umsetzbares vorstellen.