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Manhattan steht still. Präsident Emmanuel Macron muss aus seinem Auto steigen und zu Fuß weitergehen. Benjamin Netanjahu tritt ans Rednerpult der UN-Generalversammlung und wettert gegen eine internationale Gemeinschaft, die zunehmend entsetzt auf den Krieg in Gaza blickt – während Dutzende Delegationen den Saal verlassen.
Ja, es ist wieder High-Level Week bei den Vereinten Nationen.
Doch diesmal steht besonders viel auf dem Spiel.
Wer im kommenden Jahr Emmanuel Macron als französischer Präsident nachfolgen will, davon haben Sie wahrscheinlich schon gehört. Aber können Sie auch nur eine Person nennen, die gerade für das Amt des UN-Generalsekretärs kandidiert?
Das Rennen um die Führung der wichtigsten globalen Institution findet nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Zugegeben: Es hat Fortschritte gegeben. Die Kandidierenden veröffentlichen ihre Zukunftsvisionen, stellen sich öffentlichen Anhörungen und nahmen dieses Jahr an einer Online-Townhall teil. Auch die Zivilgesellschaft darf Fragen stellen. Alle sind willkommen.
Dann schließen sich die Türen.
Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats stimmen in geheimen Probeabstimmungen ab. Die Ergebnisse werden nicht veröffentlicht - auch wenn sie regelmäßig durchsickern. Und jedes der fünf ständigen Mitglieder - China, Frankreich, Russland, Großbritannien und die USA - kann eine Kandidatur blockieren. Ihre bisherige Bilanz gibt wenig Anlass zu Vertrauen.
Der Sicherheitsrat empfiehlt eine Person. Die Generalversammlung ernennt sie.
Lange konnten wir uns den Luxus leisten, dieses archaische Verfahren als kurioses Relikt aus dem Jahr 1945 abzutun. 2026 ist es bitterer Ernst. Die nächste UN-Spitze übernimmt eine Organisation unter enormem finanziellem Druck, mit schrumpfenden Ressourcen, geopolitischer Blockade und existenziellen Zukunftsfragen. Gleichzeitig verlangen Klimakrise, Kriege, KI, Pandemien und nukleare Bedrohungen nach mehr globaler Zusammenarbeit, nicht weniger.
Und dann ist da das Demokratieproblem: Laut V-Dem leben inzwischen 74 Prozent der Menschheit in Autokratien. Trotzdem bleibt globale Entscheidungsfindung weitgehend Regierungen vorbehalten.
Bürgerbeteiligung ist deshalb kein Nice-to-have mehr. Zuhören reicht nicht. Konsultationen und Townhalls reichen nicht. Menschen brauchen Instrumente, mit denen sie globale Entscheidungen tatsächlich beeinflussen können.
Unsere Analyse der Kandidierenden zeigt: An Bekenntnissen zu Transparenz, Zivilgesellschaft und Inklusion mangelt es nicht. An konkreten Vorschlägen, die Menschen echte Mitsprache geben, dagegen schon.
Und ja: Es ist Zeit für eine Frau. Nicht wegen irgendeiner Diversity-Quote, sondern weil die Frauen in diesem Rennen zu den stärksten Kandidierenden gehören. Nach 80 Jahren ausschließlich männlicher UN-Generalsekretäre kann jedenfalls niemand behaupten, es mangele an qualifizierten Frauen.
Doch wir dürfen die gläserne Decke nicht durchbrechen, nur um die erste Frau an der UN-Spitze auf eine gläserne Klippe zu stellen: an die Spitze einer unterfinanzierten, bedrängten Organisation, von der gleichzeitig erwartet wird, immer unlösbarere Probleme zu bewältigen.
Die Vereinten Nationen sind unverzichtbar. Und sie müssen sich reformieren, um zu überleben. Doch Effizienz allein schafft keine Legitimität. Wenn globale Entscheidungen das Leben von Menschen prägen, müssen diese Menschen auch die Möglichkeit haben, globale Entscheidungen mitzugestalten.
Während Diplomat:innen also darüber spekulieren, wen Washington unterstützt und gegen wen Moskau sein Veto einlegt, sollten wir eine andere Frage stellen:
Wer ist die Kandidatin der Menschen? |